Form in Vollendung: das Geheimnis hinter faszinierend weißer Architektur

Von funktionalen, attraktiven Gebäuden bis hin zu weltbekannten Architektur-Ikonen – wenn ein dauerhaft weißes Finish erzielt werden soll, ist Titandioxid ein essenzieller Inhaltsstoff.

 

Die Farbe Weiß inspiriert Architekten seit Jahrhunderten. Die Tempel der Griechen und Römer waren mit weißem Marmor verkleidet, und auch bei den neoklassizistischen Kirchen, Kapitolen sowie anderen Regierungsgebäuden des 18. Jahrhunderts war Weiß die Farbe der Wahl.

Sprung ins 20. Jahrhundert und zu Le Corbusier, einem der Pioniere der modernen Architektur. Auch er entschied sich für Weiß, um die Stahlbetonwände seiner berühmtesten Gebäude zu gestalten, wie die Villa Savoye bei Paris und Notre Dame du Haut Chapel in Ronchamp.

Heute nutzt die zeitgenössische Architektur Weiß auf gleichermaßen inspirierte und innovative Weise. Das gilt nicht zuletzt für Galerien, deren weiße Wände die ausgestellten Kunstwerke erst richtig zur Geltung bringen. Das japanische Architektenteam Sanaa, das an der Gestaltung der Louvre Lens Galerie in Frankreich beteiligt war, setzte auch beim New Museum in New York Weiß als Hauptfarbe ein.

Diese bemerkenswert elegante Struktur umfasst sieben Stockwerke und nutzt eine Reihe innovativer Techniken, um auf vergleichsweise kleinem Raum zahlreiche Ebenen und Flächen zu integrieren. Das Gebäude ist mit anodisiertem Aluminium verkleidet, und nutzt weißen Putz sowie andere Oberflächen, um im Gebäudeinneren eine optimale Tageslichtausbeute zu ermöglichen.

Die Galerie beschreibt die Wirkung des Gebäudes an seinem New Yorker Standort so: „Das Leben und die Farben der Bowery Gegend bieten hier den perfekten Rahmen für eine leuchtende, blasse Fläche, die das Tageslicht in eine Palette aus Weiß und Silber verwandelt.“

Kazuyo Sejima und Ryue Nishizawa, die Partner hinter dem Namen Sanaa, erhielten 2010 den renommierten Pritzker Architekturpreis .

Das London Eye

Das London Eye

 

Architektur-Ikonen erhalten

Wenn es darum geht, weiße Materialien oder Oberflächen zu schaffen, ist Titandioxid das Pigment der Wahl. In den meisten Farben wird es genutzt, um ein reines Weiß zu erzeugen oder die Deckkraft zu erhöhen, und man kann mit ihm sogar weißen Putz oder Beton herstellen.

Bei einigen der berühmtesten Wahrzeichen der Erde kommt Titandioxid zum Einsatz, um ihre Optik dauerhaft zu erhalten.

Unter diesen findet sich auch das London Eye, eine der größten Touristenattraktionen der britischen Hauptstadt. Für die spezielle, auf Titandioxid basierende Beschichtung des Riesenrads wurden insgesamt rund 15.000 Liter Farbe aufgetragen, und zwar in fünf verschiedenen Schichten.

Dazu Oscar Wezenbeek, Director Marine, Protective and Yacht bei AkzoNobel, dem Lieferanten der Farbe: „Titandioxid erzeugt eine wundervoll weiße Farbe, die dem London Eye sowie anderen Gebäuden und Wahrzeichen eine ganz eigene Strahlkraft verleiht.

Ohne dieses einzigartige Leuchten, für das Titandioxid sorgt, wäre die Welt ein ganzes Stück grauer. Dieses Pigment ist ein entscheidender Inhaltsstoff der hochwertigen AkzoNobel Produkte, die architektonische Strukturen schützen und ihnen ein wunderschönes Finish verleihen.“

Auch für die Beschichtung des Viadukts von Millau in Frankreich wurde spezielle Farbe verwendet. Bei den unglaublichen Dimensionen dieses Bauwerks – einer der Pfeiler des fast 2,5 Kilometer langen Viadukts ist tatsächlich höher als der Eiffelturm – war es essenziell wichtig, eine besonders leistungsstarke und haltbare Farbe zu verwenden, um den Wartungsaufwand zu reduzieren.

 

Die aktiven Vorteile von Weiß

Die Nutzung von Weiß in der Architektur bietet aber auch mit Blick auf klimatische Verhältnisse und den Energieverbrauch praktischen Nutzen. Wissenschaftler haben demonstriert, dass Wohngebäude mit weißer Außenfassade weniger Wärme aufnehmen als solche mit dunklen Wänden, wodurch sich die Klimatisierungskosten senken lassen.

Aber Titandioxid ist nicht nur das wohl wichtigste weiße Pigment für die Oberflächenbeschichtung in der Architektur, es verbessert auch die Wirkung und die Performance dieser Beschichtungen. So kann TiO2 beispielsweise die Performance von Dämmschichtbildnern verbessern. Dabei handelt es sich um spezielle Brandschutzfarbe, die z. B. auch für die exponierten Stahlkomponenten des vom Sanaa-Team gestalteten New Museum genutzt wurde. Der Brandschutz ist ein wichtiger Teil der Bauplanung; schließlich müssen alle verwendeten Materialien bestimmten Sicherheitsstandards entsprechen.

Auch beim Palazzo Italiamit seiner faszinierenden, weißen Fassadengestaltung lässt Titandioxid die Farbe erstrahlen und schützt das Gebäude gleichzeitig vor der extremen Luftverschmutzung Mailands.

Der italienische Pavillon

Der italienische Pavillon

 

Dauerhaft attraktiv

Die Farbe Weiß wird häufig mit Häusern am Meer assoziiert, vielleicht weil dort gerne weiße Anstriche genutzt werden, um rohe oder verputzte Außenmauern vor peitschendem Regen zu schützen.

Auch für die Wände von Ness Point, einem 2016 inmitten der dramatischen Landschaft der weißen Klippen von Dover errichteten Wohnhaus, hatte das Londoner Architekturbüro Tonkin Liu

weißen Putz vorgesehen. Dazu Greg Storrar, der als Architekt dieses preisgekrönte Bauwerk betreute: „Der in der Gegend aufgewachsene Kunde wollte ein modernes Haus, das dennoch das kulturelle Erbe seiner Umgebung reflektieren sollte. Durch sein Außenfinish wirkt das Haus, als ob es Teil der Klippe sei, auf der es thront.

Die sich im Inneren fortsetzende weiße Farbgebung verändert sich über den Tag dynamisch mit den Lichtverhältnissen und macht das Gebäude so zu einem integrierten Bestandteil der sich ständig ändernden Wetterszenerie dieser Küstenregion.“