Titandioxid: das bestgehütete Geheimnis der Kosmetikbranche

Als eines der am besten gehüteten Geheimnisse der Kosmetikbranche spielt Titandioxid eine wichtige Rolle bei der Entwicklung von Produkten für sensible Haut.

Make-up auf Mineralbasis bedeutet für die Kosmetikbranche ein enormes Umsatzpotenzial, da immer mehr Verbraucher die Vorteile reiner, aus dem Boden gewonnener Inhaltsstoffe zu schätzen wissen.

Im Zuge dieses Trends ist Titandioxid (TiO2) als Pigment sowie in anderer Form zu einem echten Star unter den Inhaltsstoffen geworden. Seltsam eigentlich, denn in dekorativen Kosmetika und Sonnenschutzprodukten für sensible Haut wird Titandioxid schon seit Jahrzehnten erfolgreich genutzt.

 

Aber was macht TiO2 so attraktiv?

TiO2, oder CI 77891, wie man es in diesem Markt nennt, ist eines der bestgehüteten Geheimnisse der Kosmetikbranche und kommt seit Jahrzehnten in Beauty- und Hautpflegeprodukten zum Einsatz.

Es wird genutzt, um Trendfarben mehr Leuchtkraft zu verleihen und Formulierungen auf verschiedene Weise zu optimieren:

  • Farbe – Kombiniert man TiO2 in Pigmentform mit anderen Farben, sorgt das bei dekorativen Kosmetika für mehr Leuchtkraft und Farbintensität. Zudem lassen sich mithilfe von Titandioxid Grundierungen und Lippenstifte in vielen verschiedenen Farbnuancen herstellen, sodass für jeden Hauttyp die passende Lösung erhältlich ist.
  • Teint – TiO2 hilft, überschüssiges Fett aufzunehmen. Durch seine Deckkraft reduziert es unschöne Glanzeffekte – ein wichtiges Verkaufsargument für mattierende oder abdeckende Kosmetikprodukte.
  • UV – In seiner Nicht-Pigmentform ist TiO2 ein wichtiger Inhaltsstoff von Sonnenschutzprodukten, da es sowohl UVA-, als auch UVB-Strahlung absorbiert und streut. Das verhindert Sonnenbrand und beugt einer vorzeitigen Hautalterung vor. Diese Eigenschaft lässt sich auch in Kosmetikprodukten nutzen, um Cremes, Grundierungen und Lippenstifte mit UV-Schutz auszustatten.
  • Textur – In ihrer Nicht-Pigmentform werden TiO2 -Partikel transparent, was homogenere und reinere Formulierungen ermöglicht, die sich besser auf die Haut aufbringen lassen. Der hohe Opazitätswert von Titandioxid ist außerdem essenziell wichtig für Formulierungen, die Hautprobleme verbergen sollen.
  • Wirkungsdauer – Als unlösliches Mineral schätzt man TiO2 in seiner Nicht-Pigmentform für seine langanhaltende Wirkung und seine Wasserbeständigkeit, Eigenschaften, die gerade für Sonnenschutzprodukte sehr wichtig sind.

Aufsicht eines Lippenstifts (Getty)

 

Produkte mit TiO2

Aufgrund seiner Vielseitigkeit und seiner natürlichen Vorteile erfreut sich Titandioxid in der Kosmetikbranche größter Beliebtheit. Allein in den letzten fünf Jahren war TiO2 in über 20.000 neuen Kosmetikprodukten enthalten und ist in buchstäblich allen Produktkategorien anzutreffen, wie z. B.:

  • Flüssige und pulverbasierte Grundierungen
  • Bräunungscremes
  • Rouge
  • Lidschatten
  • Mascara
  • Lippenstifte
  • Sonnenschutzprodukte

 

So wirkt es bei sensibler Haut

Obwohl TiO2 im Prinzip eine Allerweltssubstanz ist, ist es dennoch einer der wichtigsten Inhaltsstoffe von Kosmetika für Personen mit sensibler Haut.

Der Grund dafür ist denkbar einfach: TiO2 ist inert. Das heißt, es reagiert nicht mit anderen Zutaten und kann deshalb bei einem deutlich reduzierten Risiko allergischer Reaktionen in Produkten genutzt werden, die an empfindlichen Körperpartien zum Einsatz kommen, wie rund um die Augen oder am Mund.

 

Gibt es brauchbare Alternativen?

Da TiO2 ausgesprochen hautverträglich ist, suchen die Hersteller kaum nach Ersatzstoffen. Dr. Chris Flower, Biologe, Toxikologe und Generaldirektor des Branchenverbandes Cosmetics, Toiletries & Perfumery Association merkt dazu an, dass mögliche Alternativen nicht einfach im „Austauschverfahren“ bereitstünden und dass sie sich wohl in verschiedenster Hinsicht von Titandioxid unterscheiden würden. „Aufgrund der Vielseitigkeit von TiO2 und seiner Nutzbarkeit in zahlreichen verschiedenen Arten von Kosmetika gibt es einfach keine gleichwertige Alternative“, so Flower.

Wissenschaftlerin in einem geschäftigen Forschungslabor (iStock)

 

Bedenken hinsichtlich der Nutzung von TiO2 in Kosmetika

Dr. Flower weiter: „TiO2 wird seit vielen Jahren in Kosmetikprodukten verwendet, und die Sicherheit der Substanz wurde bereits mehrfach durch unabhängige Institute weltweit geprüft und bestätigt. Erst im November 2017 bestätigten die Wissenschaftsexperten der Europäischen Kommission erneut die Sicherheit von Nano-Titandioxid und führten aus, dass die dermale Absorption, z. B. durch Eindringen in die Haut, minimal sei.“

Heute ist TiO2 in Pigmentform in den USA durch die Food and Drug Administration (21 CFR 73.2575) und in der EU als Farbstoff E171 zertifiziert, während die Nicht-Pigmentform von TiO2 in den USA (US-Arzneibuch) und in der EU (Anhang VI der Verordnung über kosmetische Mittel, 1223/2009) als sicher zu verwendende Substanz zertifiziert ist.

 

Einschränkung der Nutzung von TiO2

Ein Verbot oder eine Einschränkung der Nutzung von TiO2 in Kosmetikprodukten hätte ganz klar negative Auswirkungen auf Verbraucher mit sensibler Haut, die auf diesen Inhaltsstoff angewiesen sind. Eine solche Maßnahme würde für sie nicht nur die Auswahl einschränken, sondern auch das Risiko allergischer Reaktionen erhöhen.

Mit einem Umsatz von 77 Mrd.€ repräsentiert die europäische Kosmetikindustrie den größten Markt der Welt. Vorstöße, die Verwendung von TiO2 einzuschränken, würden in den Unternehmen der Branche zu weitreichenden Störungen führen. Da in einem solchen Fall alternative Inhaltsstoffe gefunden werden müssten, würden die F&E-Kosten steigen und die Qualität der Formulierungen könnte nicht mehr garantiert werden. Da so zudem ein größeres Risiko unerwünschter Reaktionen bestünde, würde das auch den Ruf der betreffenden Unternehmen schädigen.