Warum sehen Möbelklassiker so gut aus?

„Um unersetzbar zu sein, muss man immer anders sein.“ (Coco Chanel)

 

Ähnlich wie die Kleidung, die wir tragen, soll unser Zuhause widerspiegeln, wer wir wirklich sind oder gerne sein möchten.

Die Arbeit von Innenarchitekten spielte dabei im Laufe der Jahrhunderte eine große Rolle, wobei jeder von ihnen die wachsende Bandbreite an verfügbaren Werkstoffen bei der Schaffung von innovativen Stücken voll und ganz ausschöpfte.

Seit Mitte des 20. Jahrhunderts hat der technologische Fortschritt bei Kunststoffen, Beschichtungen und Textilien die Art und Weise verändert, wie wir unser Zuhause einrichten – eine Kombination aus Kunst und Nützlichkeit – und dafür gesorgt, dass innovative Designs dem Massenmarkt zugänglich gemacht werden.

Titandioxid (TiO2) spielte bei dieser Entwicklung eine große Rolle. Mit seinen deckenden, glättenden und brilliant-weißen Eigenschaften, ermöglichte es die Gestaltung einiger der größten Designklassiker unter den Möbeln auf diesem Planeten.

 

Möbellacke

Die jüngsten Restaurations- und Upcycling-Trends werden von Innenarchitekten angeführt, die traditionelle Werkstoffe, wie beispielsweise Holz, in einem völlig neuen Licht erscheinen lassen wollen.

Firmen wie Earthborn – Hersteller von Öko-Chic-Lacken – verwenden TiO2, um Möbeln und anderen Gegenständen eine charakteristisch deckende, matte Lackierung in Dutzenden Farbtönen zu verleihen[1].

 

Holzmöbel

Ein Problem bei recyceltem Holz liegt in seiner ungleichmäßigen Farbe und Beschaffenheit. TiO2- Beschichtungen werden hier zur Harmonisierung und Glättung verwendet.

Durch sein glänzendes Erscheinungsbild sorgt es bei der Verwendung in Lacken oder Beschichtungen auf Holz oder holzhaltigen Werkstoffen (z. B. MDF oder Spanplatten) für ein gleichmäßiges, glattes Finish.

So können Designer Holz unterschiedlicher Art und Herkunft kombinieren, die dann mit Farbe, Kunststofffolie oder Laminat beschichtet werden können, welche alle TiO2-haltig sein können.

Kunststoff- und Laminatanwendungen ermöglichen auch das Bedrucken von weißem Dekorpapier oder weißer Kunststofffolie (z. B. mit Holzmaserung oder anderen Grafiken), was den Designern eine kreativere Dekorauswahl ermöglicht.

 

Kunststoffmöbel

TiO2 ist in der gesamten Kunststoffindustrie weit verbreitet und Möbel gehören zu den wichtigsten Anwendungsbereichen.

TiO2 kann in hoher Konzentration dem Kunststoffharz zugesetzt werden, das mittels Vergusstechnik zur Herstellung von Kunststofffolien verwendet wird. Bei einem Farbmasterbatch kann mehr als die Hälfte der Zusammensetzung eines Farbmittels aus TiO2 bestehen; so kann das Farbmittel beispielsweise bis zu 60 Prozent TiO[2] enthalten.

Weltweit berühmte Designer wie Philippe Starck verwenden für ihre Designs durchgefärbte Polycarbonate und klares Acryl, Plexiglas© oder Lucite©.

 

Textil- und Ledermöbel

Bei Textilien und anderen Stoffen spielt TiO2 eine wichtige Rolle bei der Mattierung von Kunstfasern – mit Anatas-Typen, die bei Polyester, Polyamid, Acryl, Viskose und Kunstseide eingesetzt werden – sowie Celluloseacetatfasern.

Neben der reinen Ästhetik des TiO2-Pigments, wird TiO2 in Nanoform als UV-Schutz eingesetzt, der die traditionell niedrige UV-Beständigkeit von Werkstoffen erhöht und damit die Lebensdauer verlängert.

 

Kultmöbel

Eine Reihe von Designklassikern, die heutzutage produziert werden, enthält TiO2:

 

 

Der Eames Chair

Das Ehepaar Charles und Ray Eames nutzte zunächst Furnierplatten, um sich als Designvisionäre einen Namen zu machen. Ihre Esszimmerstühle und Loungesessel verbinden Kunststoffe mit Holz und Textilien. Der legendäre Stuhl Eames DAW wurde 1950 erstmals produziert und war schon immer in vielen Farben erhältlich.

 

Eero Saarinens Tulip-Serie

Eero Saarinen, der für seine skulpturale Herangehensweise verehrt wird, ist für einige der futuristischsten Entwürfe verantwortlich, die ab den 1940er Jahren entstanden sind. Mit seiner Tulip Serie, welche mit einem Design bestehend aus einem einzigen Sockel, der mithilfe von geformtem Kunststoff die „hässliche, verwirrende und unruhige Welt“ unter Tischen und Stühlen auflöst, beschritt er neue Wege. Seine Arbeiten Womb und Amoeba gelten als zwei der ikonischsten Designs für Wohnzimmer.

 

S Chair von Verner Panton

Nachdem der Designer Verner Panton 1960 die Idee für seinen S Chair hatte, dauerte es mehrere Jahre, bis er seinen Traum verwirklichen konnte. Aus einem einzigen Stück Kunststoff gefertigt, war der Stuhl der erste seiner Art. Er hat es zusammen mit einer nackten Kate Moss bis auf das Cover der Vogue geschafft.

 

Sketch Chair – Designed by Front, Jureden

Die Sketch-Serie ist das Werk der vier schwedischen Designerinnen Sofia Lagerkvist, Charlotte von der Lancken, Anna Lindgren und Katya Savstrom. Der weiße Sketch Chair beschritt 2005, mit der Nutzung von Motion-Capture-Technologie völliges Neuland. Anschließend wurde er mit Polyamidharz in 3D-gedruckte Realität umgesetzt. Das Original ist Teil der Sammlung des Victoria And Albert Museum in London.

Literatur

  • [1] Earthborn paints
  • [2] Analysis of the socio-economic impacts of a harmonised classification for titanium dioxide (TiO2), Risk & Policy Analysts for Titanium Dioxide Industry Consortium (TDIC), page 21