Welche Art von Sonnenschutz sollte ich verwenden, und warum?

Neben anderen Vorkehrungen, wie direktes Sonnenlicht zu meiden und sich durch entsprechende Kleidung zu schützen, sind Sonnenschutzmittel ein wichtiger Faktor, um die Gesundheit unserer Haut zu erhalten.

Allerdings macht die Vielzahl der verfügbaren Produkte die Wahl des richtigen Sonnenschutzmittels nicht unbedingt einfacher. Beim Kauf des richtigen Sonnenschutzmittels geht es um weit mehr als nur den Preis.

 

Schutz vor UVA und UVB

Dass Sonnenlicht überhaupt eine schädigende Wirkung hat, liegt an der in ihm enthaltenen UV-Strahlung. Diese existiert in zwei verschiedenen Wellenlängen, UVA und UVB. Die offensichtlichsten Hautschäden, wie Rötungen und Bläschenbildung, werden durch UVB-Strahlen verursacht und in aller Regel mit Hautkrebserkrankungen in Verbindung gebracht. UVA-Strahlen stehen hingegen eher für schleichende, langfristige Auswirkungen, wie eine vorzeitige Alterung, eine Schwächung des Immunsystems sowie verschiedene Krebsrisiken.

„TiO2-Nanopartikel werden in Sonnenschutzmitteln häufig als UV-Filter eingesetzt und gelten seit langem als extrem sicher in der Anwendung“

Der Lichtschutzfaktor (LSF) eines Sonnenschutzmittels gibt an, wie gut es gegen UVB-Strahlung wirkt. Mit Blick auf die UVA-Risiken empfiehlt die EU, dass der UVA-Schutz eines Produkts mindestens ein Drittel seines LSF-Wertes betragen sollte. Entsprechende Sonnenschutzmittel sind mit den Buchstaben „UVA“ in einem Kreis gekennzeichnet.

Während UVA-Strahlung in Expertenkreisen als ernste Bedrohung gilt, wird sie von Verbrauchern häufig übersehen. So ergab eine aktuelle Studie, dass über die Hälfte aller Eltern ein Sonnenschutzmittel ausschließlich anhand seines LSF auswählen würden, um Sonnenbrand zu vermeiden. Potenzielle Schäden durch UVA-Strahlung spielten für sie bei der Kaufentscheidung keine Rolle.

 

 

Welche Art Sonnenschutz ist die richtige – mineralisch oder chemisch?

Jedes Sonnenschutzmittel benötigt einen Wirkstoff, und zwar in Form eines mineralischen oder chemischen Filters, der vor der schädigenden Wirkung der Sonne schützt. Beispiele für mineralische Filter sind Titandioxid (TiO2) und Zinkoxid, während in chemischen Filtern beispielsweise Mexoryl SX (INCI: Terephthalylidene Dicamphor Sulfonic Acid) und Oxybenzone (INCI: Benzophenone-3) typische Wirkstoffe sind.

Mineralische Sonnenschutzmittel, wie TiO2, bilden eine Schutzschicht auf der Haut und reflektieren UV-Strahlen. Chemische Filter werden im Gegensatz dazu von der Haut absorbiert und wirken dort auf die in den Körper eindringende UV-Strahlung ein. Diese wird dann in Form von Infrarotstrahlung wieder abgegeben.

Die Vorteile mineralischer und chemischer Sonnenschutzmittel machen sie für Eltern und Personen mit empfindlicher Haut zur bevorzugten Wahl. Laut Paul Wright, außerordentlicher Professor am Institut für Gesundheit und biomedizinische Wissenschaften der RMIT University Melbourne können chemische Optionen „Hautirritationen und Allergien auslösen, müssen häufiger angewendet werden und werden in deutlich größerem Maße von der Haut absorbiert“.

 

Welcher mineralische Sonnenschutz ist der richtige – TiO2 oder Zink?

Vor allem TiO2 wird wegen seiner Hautschutzeigenschaften gepriesen, da diese Substanz sowohl UVA- als auch UVB-Strahlen auf extrem effiziente Weise absorbiert und ableitet. Sonnenschutzmittel auf Mineralienbasis verfügen oft über einen Wirkstoffmix, aber Dr. Mike Bell, der wissenschaftliche Berater der britischen Drogeriemarktkette Boots merkt dazu an, dass „Titandioxid durch seinen LSF im UVB-Bereich einen etwas effizienteren Sonnenschutz bietet als Zinkoxid.“

 

 

Anwendung von Sonnenschutzmitteln

Die Schutzwirkung des Produkts hängt von seiner Stärke ab und davon, wie dick man es aufträgt. Allerdings verwenden die meisten Menschen nur rund die Hälfte der empfohlenen Menge, sodass sie nicht ausreichend vor der Sonneneinstrahlung geschützt sind.

„Der Grund dafür ist ganz einfach, dass eine größere Menge sich auf der Haut eher unangenehm anfühlt“, erläutert Brian Diffey, emeritierter Professor des Fachbereichs Dermatologie der Newcastle University. „Am besten nimmt man, bevor man sich der Sonne aussetzt so viel, dass man sich damit noch gut fühlt und wendet das Mittel dann nach 10–15 Minuten erneut an. So erreicht man deutlich einfacher den erwarteten LSF und erhält eine gleichmäßigere Verteilung.“

„Bedenkt man, dass die meisten Leute Sonnenschutzmittel nicht nach den Empfehlungen der Hersteller verwenden, sollten sie besser ein Mittel mit einem deutlich höheren LSF verwenden, als sie es für nötig halten“

Um das Anwendungsproblem zu lösen, werden wegweisende technische Fortschritte genutzt. So kommt in Sonnenschutzmitteln zunehmend TiO2 in Nanopartikelform zum Einsatz, da es eine einfachere und weniger frustrierende Anwendung ermöglicht.

„Nanopartikel von TiO2 werden oft als UV-Filter in Sonnenschutzmitteln genutzt und sind erwiesenermaßen sehr sicher in der Anwendung“, erläutert Dr. Chris Flower, Biologe, Toxikologe und Generaldirektor des Branchenverbandes Cosmetics, Toiletries & Perfumery Association.

„In Nanoform bietet TiO2 zudem den Vorteil, dass es sich einfacher verteilen lässt und auf der Haut transparent wirkt statt weiß. Das sind wichtige Faktoren, denn der Look & Feel eines Produkts auf der Haut kann die Entscheidung, ein Sonnenschutzprodukt zu nutzen, sehr stark beeinflussen.“

 

Argumente für einen höheren LSF

Experten raten generell dazu, Produkte mit LSF 30 oder mehr zu nutzen, um die zu sparsame Verwendung durch die Verbraucher zu kompensieren. Aktuelle Untersuchungen des King’s College London scheinen das zu bestätigen. Im Rahmen dieses groß angelegten Projekts untersuchten Wissenschaftler die durch UV-Strahlung verursachte Schädigung der DNA. Sie stellten fest, dass Probanden, die ein Sonnenschutzmittel in der offiziellen Dosierung aufgetragen hatten, signifikant weniger Schädigung davontrugen als eine Kontrollgruppe, die einen Tag lang einer geringen UV-Strahlung ohne Sonnenschutz ausgesetzt war.

„Diese Untersuchung zeigt, dass es für die Effizienz eines Sonnenschutzmittels eine entscheidende Rolle spielt, wie es aufgetragen wird“, sagt der Autor des Reports, Professor Antony Young. „Bedenkt man, dass die meisten Leute Sonnenschutzmittel nicht nach den Empfehlungen der Hersteller verwenden, sollten sie besser ein Mittel mit einem deutlich höheren LSF verwenden, als sie es für nötig halten.“