Wo liegen die gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Vorteile von Titandioxid?

Titandioxid (TiO2) wird umfänglich und sicher von zahlreichen Branchen weltweit genutzt: bei der Herstellung von Farben, Kunststoffen, Tinte, Papier, Lebensmitteln, Kosmetika und Pharmaerzeugnissen, um nur einige zu nennen.

Dieses strahlend weiße Pulver wird außerdem geschätzt, weil es die Oberflächen, auf die es aufgebracht wird, verschwinden lässt. So ist TiO2 ein beliebter Grundstoff für zahlreiche Farben, die sich auf nahezu jedem Material anwenden lassen.

Seine wertvolle Eigenschaft, schädliche UV-Strahlung zu absorbieren und abzulenken, macht es zu einem wichtigen Inhaltsstoff essenzieller Hautschutzprodukte und innovativer Lösungen in der Umwelttechnologie: Titandioxid kommt in der Erforschung wiederaufladbarer Batterien ebenso zum Einsatz wie bei der Produktion farbstoffsensibilisierter Solarzellen.

Mehrere Studien belegen, dass TiO2 bei vielen Anwendungen mit zahlreichen Funktionen sicher genutzt werden kann.

Allerdings besteht nun die Möglichkeit einer Neuregulierung von TiO2, die sämtliche Nutzungsbereiche betreffen würde. Am 14. September 2017 schlug das Committee for Risk Assessment (RAC) der Europäischen Chemikalienagentur (ECHA) vor, TiO2 als potenzielles Karzinogen der Kategorie 2 zu klassifizieren. Das würde bedeuten, dass alle Produkte, die Titandioxid enthalten, als solche gekennzeichnet werden müssten.

Die Ansicht des RAC, dass TiO2 durch Einatmen eine karzinogene Wirkung entfalten könnte, basiert auf den Ergebnissen einer Studie an Ratten, die einer sogenannten Lungenüberladung ausgesetzt wurden. Diese Folgerung widerspricht zahlreichen wissenschaftlichen Belegen, die eine Klassifizierung von TiO2 für den Menschen nicht unterstützen. Mehr über die Sicherheit von TiO2 finden Sie auf der Seite Titandioxid ist sicher .

Eine Entscheidung, TiO2 zu klassifizieren, könnte weitreichende Konsequenzen für die Verbraucher sowie die Industrie haben.

Titandioxid bietet Verbrauchern Auswahl

Viele Menschen wissen vermutlich nicht, dass TiO2 in der Welt von heute eine essenzielle Rolle spielt.

Nutzung und Nutzen von TiO<sub>2</sub>

Nutzung und Nutzen von TiO<sub>2</sub>

Durch eine Klassifizierung von TiO2 hätten wir weniger Möglichkeiten, uns zu schützen, unsere Produkte und Gebäude wären nicht mehr so hochwertig wie bisher, und es gäbe zudem Auswirkungen auf die umweltfreundlichen Technologien, die wir mithilfe von TiO2 für unsere Häuser und das Transportwesen entwickeln können.

Der Einzelhandel würde Heimwerkerprodukte, die als möglicherweise krebserregend gekennzeichnet werden müssen, vermutlich aus dem Sortiment nehmen, und so die Verfügbarkeit und die Auswahl einschränken. Zudem könnte es sein, dass Instandhaltungsarbeiten dann nur noch von Fachkräften durchgeführt werden dürfen, was die Kosten steigen ließe.

Die Umformulierung von Produkten würde (wenn sie denn überhaupt möglich ist) die Hersteller mit Mehrkosten belasten und bei bestimmten Anwendungen die Qualität oder das Erscheinungsbild beeinträchtigen.

 

TiO2 unterstützt die Kreislaufwirtschaft

Das Anwendungs- und Sicherheitsprofil von Titandioxid unterstützt derzeit die Ambition der EU, die Transition zu einer globalen Kreislaufwirtschaft voranzutreiben. Es spielt eine wichtige Rolle bei der Wiederverwendung und Erhaltung sowie beim Recycling von Materialien, zum Beispiel beim Recycling von Möbeln.

Dank seiner einzigartigen Eigenschaften ermöglicht es auch langlebigere Produkte, was wiederum die Abfallmenge reduziert. Erfahren Sie mehr darüber, wie Titandioxid Kunststoffgartenmöbel schützt.

Der Vorstoß, TiO2 neu zu klassifizieren, könnte auch direkte Auswirkungen auf das nachhaltige Kreislaufwirtschaftsmodell des Europäischen Wirtschaftsraumes haben. Eine Änderung der Klassifizierung von TiO2 würde nämlich bedeuten, dass Abfallströme, die Titandioxid enthalten, wie z. B. Kunststoffverpackungen, nicht mehr recyclingfähig wären.

So könnte eine Neuklassifizierung von TiO2 dazu führen, dass Abfälle mit TiO2-Anteil als gefährlich eingestuft werden, was das Recycling behindern und die Kosten der Abfallverwertung um das bis zu Dreifache steigen lassen würde[1].

Die zusätzlichen Kosten, die durch die Entsorgung von Verpackungen und Abfällen von Produktions-, Bau- und Abbruchunternehmen entstehen würden, lägen je Verwertungsstandort zwischen einigen Tausend und mehreren Millionen Euro. Zudem hätte das signifikante Auswirkungen auf die Schaffung einer umweltfreundlicheren Umgebung.

Alternativen zu Titandioxid zu finden, um so die Abfallproblematik zu vermeiden, könnte sich technisch als sehr schwierig darstellen, wobei es für manche Anwendungen keine bekannte Alternative gibt. Außerdem könnte die Verwendung anderer Materialien negative Umweltauswirkungen nach sich ziehen. So ist Zinkoxid zwar eine mögliche Alternative als Weißmacher, diese Substanz ist aber für manche Anwendungen als giftig für Wasserlebewesen klassifiziert.

Klassifizierung von TiO<sub>2</sub>: Auswirkungen auf die Kreislaufwirtschaft

 

Titandioxid sichert Tausende von Arbeitsplätzen

Die TiO2-Produktion und die zugehörigen Märkte sichern im Europäischen Wirtschaftsraum Tausende von Arbeitsplätzen. Die europäische TiO2-Produktion steht dabei für 20 % der gesamten Weltproduktion.

Ein Drittel des in Europa produzierten Titandioxids wird exportiert, was auch daran liegt, dass einige TiO2-Qualitäten ausschließlich in Europa produziert werden.

TiO<sub>2</sub> im Europäischen Wirtschaftsraum

Millionen von Arbeitnehmern gehen täglich mit TiO2 um, ohne dass ein Risiko der Inhalation bestünde. Bestrebungen, die ohnehin schon strengen Vorschriften für den Umgang mit TiO2 weiter zu verschärfen, würde zahlreichen Beschäftigten in den verschiedensten Branchen klare Nachteile bescheren.

So würde die Klassifizierung von Titandioxid zu einer kostenintensiven Umformulierung von Produkten führen, während zusätzliche Sicherheitsmaßnahmen am Arbeitsplatz und die Kosten für die Abfallentsorgung sich je Produktionsstandort auf mehr als € 100.000 summieren könnten.

Da die vorgeschlagene Klassifizierung auf einem möglichen Risiko durch Inhalation von Titandioxidstaub basiert, könnten manche Anwender auf eine halbflüssige TiO2-Paste ausweichen. Das aber würde zusätzliche Kosten von € 200 bis 250 pro Tonne verursachen.

Insgesamt könnten Titandioxidhersteller und -lieferanten einen Nachfragerückgang von 15 % verzeichnen. Das würde sich auch auf andere Produktionsbereiche negativ auswirken und die Herstellung chemischer Titanerzeugnisse und eisenbasierter Beiprodukte ebenso betreffen wie TiO2 und die entsprechende Rohstoffgewinnung.
TiO<sub>2</sub> im Europäischen Wirtschaftsraum

Ohne eine vergleichbare Klassifizierung auch außerhalb des Europäischen Wirtschaftsraumes, würde das zudem die globale Wettbewerbsfähigkeit der europäischen TiO2-Hersteller und der verbundenen Branchen schwächen, da sie mit steigenden Beschaffungs- und Produktionskosten zu kämpfen hätten.

Das könnte dazu führen, dass Teile der bestehenden TiO2-Branche künftig außerhalb des Europäischen Wirtschaftsraumes produzieren, um auch globale Kunden beliefern zu können. Das würde aber unweigerlich zu Werksschließungen, Zusammenschlüssen und einem entsprechenden Stellenabbau führen.

Die Auswirkungen auf TiO2-basierte Branchen

Die Produktion von TiO2 in Europa unterstützt andere wichtige Teile der Wirtschaft, die titanhaltige Chemikalien und eisenbasierte Produkte nutzen. Dazu zählen die Stahl- und die Aluminiumbranche sowie die Plattenfertigung, das Bauwesen und die Herstellung von Haushaltsgeräten.

In nachgelagerten Industrien – Unternehmen, die TiO2 als Rohmaterial in fertige Produkte integrieren – könnte das zu erheblichen Stellenverlusten führen.

In Europa gibt es eine Million Arbeitnehmer, die Farben und Beschichtungen aufbringen sowie 4,5 Millionen Arbeiter in der Kunststoffbranche. Selbst geringe Auswirkungen einer Neuklassifizierung könnten hier zu erheblichen Stellenstreichungen führen: Der Branchenverband Global Wallcoverings Association (IGI) schätzt, dass sämtliche 26.000 Arbeitsplätze in dem Bereich durch Einführung einer solchen Klassifizierung gefährdet wären.

Elf Hersteller von Farben und Drucktinten sagten, dass durch die Neuklassifizierung von TiO2 15.000 Arbeitsplätze verlorengehen könnten. In der kunststoffverarbeitenden Industrie mit ihren 1,5 Mio. Beschäftigten geht man von ähnlichen Zahlen aus. So könnte hier 1 % aller Stellen verloren gehen.

Zudem würden Unternehmen in ihren Heimatmärkten sowie im Export an Wettbewerbsfähigkeit verlieren, da die steigende Risikoanmutung sich negativ auf den Umsatz auswirken könnte. Unternehmen, die aber auf eine Umformulierung setzen, sehen sich möglicherweise mit immens hohen Kosten konfrontiert. So geht man bei Herstellern von Wandfarben davon aus, dass eine Umformulierung der Produkte je Unternehmen mit € 400.000 zu Buche schlagen würde, und das womöglich bei geringerer Produktqualität.

Man schätzt, dass der Austausch von TiO2 für die Unternehmen Kosten zwischen 50.000 € und 60 Mio. € verursachen könnte, wobei die Entwicklung neuer Lösungen zwischen 2 und 20 Jahre in Anspruch nehmen würde.

In vielen Fällen würden Unternehmen schlechtere Produkte verkaufen, ihren Kunden weniger Auswahl bieten und vermutlich auch die Kosten anheben. So wird TiO2 derzeit in zahlreichen Cremes und Lotionen als sicherer und effektiver UV-Filter genutzt. Eine Neuklassifizierung könnte diese Verwendung einschränken. Die Neuformulierung von Farben wiederum könnte sich negativ auf das Finish, die Farbwirkung sowie die Qualität und Haltbarkeit des Anstrichs auswirken.

Branchenauswirkungen

 

Tausende von KMU sind auf TiO2 angewiesen

Kleine und mittlere Unternehmen (KMU) machen einen beträchtlichen Teil der TiO2-Nutzer aus. Allein 5.500 dieser Unternehmen sind in der Kosmetikbranche aktiv. Und über 750 der im European Council of Paint, Printing Ink and Artists’ Colours organisierten Hersteller von Farben und Tinte sind KMU.

Sollten sie den Zugang zu essenziellen Rohmaterialien und zugehörigen Werkstoffen verlieren, wäre das für Firmen dieser Größe äußerst problematisch. Beschränkungen bei Zeit und Ressourcen erschweren es kleinen und mittleren Unternehmen zudem, den regulatorischen Veränderungen zu folgen und die zusätzlichen Kosten für Forschung und Entwicklung sowie Marketing aufzubringen.

Während größere Unternehmen die Möglichkeit haben, ihre Produktion aus der EU in Drittländer zu verlegen, besteht diese Option für die meisten KMU nicht. Sie müssten in dem Fall vermutlich auf externe Partner setzen, die für sie die Produktion übernehmen.

Ti02 und KMU

 

Weitere Auswirkungen

TiO2 ist Teil einer Substanzengruppe mit einem ähnlichen Toxizitätsprofil. Diese werden auch unter dem Dachbegriff „schwerlösliche, gering toxische Partikel (PSLT)“ zusammengefasst. Eine Umsetzung der vorgeschlagenen Klassifizierung nach Kategorie 2 würde vermutlich auch die Neuklassifizierung anderer PSLT-Partikel nach sich ziehen.

Das aber bedeutet, dass alle schwerlöslichen Pulver, die TiO2 ersetzen könnten, wie z. B. Kaolin, Kalk und Talkum, dann ebenfalls als potenziell karzinogene Substanzen eingestuft würden.

Zudem steht zu erwarten, dass ein solcher Präzedenzfall sich auch auf andere, für die Produktion in der EU wichtige Substanzen auswirken würde, wie Ruß, anorganische Farbpigmente, Eisenoxide, Ceroxid, Aluminiumoxid, Magnesiumoxid, Kunststoffstäube und viele mehr.

Diese Substanzen werden auf die unterschiedlichste Weise genutzt. Hier nur einige Beispiele: Antibiotika und andere wichtige Medizinprodukte (einschließlich der Nutzung von Bentonit bei Schwermetallvergiftungen), Landwirtschaft, Keramik, Feuerlöscher, Bremsklötze, Beseitigung von Gefahrstoffen, Dekoration und Bodenbeläge, Lebensmittel und Toilettenartikel.

Zudem würde die vorgeschlagene Klassifizierung von TiO2 den betroffenen Arbeitskräften durch den Austausch gegen andere Substanzen keinen zusätzlichen Schutz bieten, da die direkten Alternativen ein vergleichbares karzinogenes Risikoprofil haben.

Zusammenfassend heißt das, dass die Herstellung, das Handling, die Nutzung und die Entsorgung von PSLT-Partikeln im Europäischen Wirtschaftsraum teurer und umständlicher werden würde, was die Wettbewerbsfähigkeit der betreffenden Unternehmen schwächen würde.

Eine Klassifizierung von TiO2 würde eine neue Regulierung bedeuten, die in ganz Europa negative Auswirkungen auf Arbeitskräfte und Verbraucher hätte.